Marketing für Existenzgründer und kleine Unternehmen

Seit 2014 halte ich Kurse an verschiedenen Volkshochschulen. Das Thema ist „Online Marketing für Existenzgründer und kleine Unternehmen“. In die Zielgruppe fielen aber nicht nur kleine Firmen, Selbständige und Startups, sondern auch Vereine und Kommunen.

Alle diese Unternehmen haben eins gemeinsam: Marketing im Allgemeinen, Werbung, Onlinemarketing, Pressearbeit und Social Media Marketing sind für sie ganz zentrale Themen, die für den Unternehmenserfolg entscheidend sein können. Jedoch sind viele Unternehmer der Auffassung, dass ihnen die personellen, zeitlichen, finanziellen und fachlichen Ressourcen fehlen. Wie oft hört man über Umwege von einem interessanten Produkt oder einer Dienstleistung, findet dann aber keine Informationen im Internet dazu. Dabei wird häufig übersehen, dass moderne Technologien das „Selbst-Marketing“ teilweise sehr einfach und günstig – wenn nicht sogar gratis – machen.

Einzelunternehmer oder Angestellte, denen das Marketing zusätzlich zu ihren Aufgaben übertragen wird, haben oft eine große Scheu davor, sich im Marketing zu engagieren, denn viele haben eine ganz andere Ausbildung. Dabei sind diese 11 wichtigsten Maßnahmen ganz einfach zu realisieren.

1. Pressearbeit

Da die Pressearbeit für KMU meist zuerst auf lokaler Ebene stattfindet, ist es leicht, sich einen Presseverteiler aufzubauen. Sammelt einfach alle Veröffentlichungen, von der Tageszeitung bis zum Gemeindeblatt, die euch täglich an eurem Wohnort und in der Umgebung begegnen. Meist ist im Impressum die E-Mail-Adresse der Redaktion angegeben. Falls nicht, hilft ein Blick auf die Website oder ein Anruf. Bei größeren Medien, wie zum Beispiel einer Tageszeitung, sollte man den richtigen Ansprechpartner herausfinden. Denkt bitte auch an Online-Magazine. Nachdem alle Adressen in einer Excel-Liste gespeichert sind, geht es ans Verfassen der ersten Pressemitteilung. Macht es dem Redakteur so einfach wie möglich: Verwendet das WORD-Format, verzichtet auf Formatierungen und Blocksatz, schreibt in gutem Deutsch, meidet Füllwörter und Übertreibungen. Beschränkt euch auf maximal zwei Seiten, in denen ihr sachlich die wichtigsten W-Fragen beantwortet: Wer, was, wann, wo? Fügt der E-Mail ein oder mehrere Bilder hinzu – in Druckqualität und mit Nennung des Fotografen. Ein Zusatz „Texte und Bilder dürfen honorarfrei verwendet werden“ erspart den Journalisten eine Nachfrage. Gebt der Mitteilung noch einen aussagekräftigen Betreff, wie zum Beispiel „PM: Verein XY feiert am 1. Juli Jubiläum“, vergesst eure Kontaktdaten nicht und kopiert die Empfängeradressen unbedingt ins BBC (Blindkopie)-Feld. Im Internet findet man viele hilfreiche Tipps zum Verfassen von Pressemitteilungen und entsprechende Vorlagen.

2. Plakat, Broschüre, Flyer

Zunächst muss man gut überlegen, ob eigene Printprodukte sinnvoll sind, denn Gestaltung, Druck und Verteilung sind relativ teuer und aufwändig. Beim Plakat sollte man auf folgende Punkte achten: Bedenkt Fernwirkung und Nahwirkung. Erklärt in einer großen Headline (max. 5 Wörter) den Grundnutzen. Verwendet starke Kontraste und zwei Formate, mindestens A4, besser A3. Achtet einfach einmal auf die Plakate in eurer Umgebung: Was springt ins Auge? Welchen Teil der Schrift kann man lesen, wenn man zum Beispiel mit dem Auto vorbei fährt? Broschüren und Flyer sollten ebenfalls mit wenig Text auskommen. Auch hier hilft ein Vergleich von vorhandenen Printprodukten. Das Nutzenversprechen sollte man in allen Werbeformen auch erfüllen können – seid also vorsichtig mit Eigenlob und Allgemeinaussagen und konzentriert euch auf eure nachweislichen Stärken. Bitte bei allen Veröffentlichungen das Impressum nicht vergessen. Anbieter wie Vistaprint drucken günstig und helfen beim Designen der Produkte.

3. Printanzeige

Printanzeigen können sinnvoll sein, wenn man Zielgruppe und Reichweite des Mediums genau prüft. Grundsätzlich ist die Wirksamkeit bei Printanzeigen allerdings sehr schwierig zu messen und oftmals sind die Anzeigenpreise vergleichsweise hoch. Hinzu kommt, dass sie oft in der Masse untergehen und ein sehr unspezifisches Publikum ansprechen. Zeitungen stellen auf ihren Webseiten Mediadaten mit Informationen zu Anzeigenpreisen und Zielgruppe zur Verfügung. In der Anzeige sollte man den Nutzen des Produktes oder der Dienstleistung klar herausstellen und versuchen, aus der Masse hervor zu stechen. Zum Beispiel, indem man auffällige Farben oder Gesichter verwendet. Sind in der Anzeige Preisangaben enthalten, ist ein Impressum Pflicht.

4. Logo

Ein Logo ist für alle Unternehmen von Anfang an wichtig. Früher oder später werdet ihr euch irgendwo präsentieren (zum Beispiel auf sozialen Netzwerken) und dann ein Logo benötigen. Die Gestaltung sollte man einem Profi überlassen. Günstige Angebote machen zum Beispiel 99Designs, Fiverr oder die deutsche Plattform designenlassen.de.  Wichtig sind folgende Punkte: Entscheidet euch für ein zeitloses Design, das zur Marke und zur Branche passt. Logos sollten grundsätzlich schlicht, kein Foto (pixelbasiert) und wiedererkennbar sein, außerdem auch in schwarz-weiß und mit transparentem Hintergrund gut aussehen. Viele soziale Netzwerke verlangen quadratische Profilbilder, also ist es von Vorteil, wenn euer Logo hierfür passt. Ein guter Grafikdesigner weiß das natürlich und stellt euch verschiedene Varianten und Dateiformate zur Verfügung. Fordert auf jeden Fall die vektorbasierten Originaldateien (z.B. .ai, .eps) und ein unbeschränktes Nutzungsrecht ein. Bei der Farbwahl solltet ihr euch an eurer Zielgruppe orientieren. Verschiedene Studien haben herausgefunden, dass Grau/Schwarz für Wertigkeit steht, Blau für Seriosität. Frauen mögen angeblich Lila und Türkis, aber kein Orange, Braun und Grau. Sowohl Männer als auch Frauen gefällt Blau und Grün. Und auch hier ist es empfehlenswert, sich anderswo Inspiration zu holen. Sieht man sich die Logos großer Firmen im Lauf der Jahre an, stellt man fest, dass es einen Trend zur Vereinfachung gibt. Sicherlich ist es nicht verkehrt, dem zu folgen.

5. Website

Die eigene Website ist für viele KMUs das wichtigste Marketinginstrument überhaupt. Ganz zentral ist, dass ihr eure Website selbst bearbeiten könnt und nicht von einem Webmaster abhängig seid. Dafür eignen sich zum Beispiel Website-Baukästen, zum Beispiel von Jimdo, WordPress, WiX und anderen. Diese Seiten gibt es ab 5 Euro im Monat – eine .de Domain, eine eigene E-Mail-Adresse und responsives Design (passt sich an mobile Geräte wie Smartphones an) sollten enthalten sein! Auf dieser Seite kannst du die Hompagebaukästen vergleichen.

Die Navigation sollte man auf das Wesentliche (maximal sieben Punkte) beschränken und einige wichtige Elemente hervorheben, weniger wichtige wie das Impressum kommen in den Footer. Die Schrift muss ausreichend groß sein und einen hohen Kontrast haben. Versuche dich und dein Produkt/deine Dienstleistung möglichst gut zu beschreiben – versetze dich in die Situation des potentiellen Kunden. Oftmals sind sie mehr an Details interessiert, als du denkst.

6. Suchmaschinenoptimierung

Du kannst dir ganz einfach einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen, indem du deine Website für Suchmaschinen optimierst. Am wichtigsten ist es, regelmäßig neue, relevante, einzigartige (bitte niemals Texte kopieren) Inhalte zu veröffentlichen. Wichtig sind auch Metatags – also für den Website-Besucher unsichtbare Informationen, die den Suchmaschinen etwas über die Inhalte deiner Seite sagen. In den meisten Homepage-Baukästen kannst du die Metatags selbst bearbeiten. Das Hauptkeyword sollte dabei genannt werden und weit vorn stehen – zum Beispiel „Frisör Regensburg“. Der Title sollte max. aus 65 Zeichen bestehen und kann zum Beispiel lauten: „Frisör in Regensburg – Danielas Frisörladen schneidet spitze“. Für die Description hast du max. 165 Zeichen Platz – das ist der Text, den die Suchmaschine als Vorschau anzeigt, z.B. „Wimpernverlängerung führt Danielas Frisörladen in Regensburg gern für Sie aus. Jahrelange Erfahrung und günstige Preise sind unsere Stärke.“ Alle Metatags müssen für jede Unterseite individuell angepasst werden. Die URL (Internetadresse) sollte zu dem Hauptkeyword passen, also zum Beispiel http://www.frisoer-regensburg.de/wimpernverlängerung.

Meta Tags erklärt

Meta Tags erklärt

Weitere wichtige Tipps sind: Strukturiere den Text  durch Überschriften, Listen, Absätze und fett-Markierung. Setze interne Links mit relevanten Keywords. Ergänze bei Bildern und Links Beschreibungen, die aussagen, was sie enthalten. Benenne Dokumente sinnvoll, bevor du sie hoch lädst. Außerdem ist es toll, wenn andere Seiten über dich schreiben und deine Website verlinken. Ein gutes Beispiel, wie man Überschriften (heißen in deinem Content Management System H1, H2, H3 etc.) mit Keywords integriert, siehst du hier.

Bedeutung von H - Überschriften

Bedeutung von H – Überschriften

Gute Texte auf deiner Internetseite gefallen den Besuchern und den Suchmaschinen. Verwende klare Sprache mit kurzen Sätzen, formuliere aktiv und vermeide Substantivierungen. Vergiss nicht, deine Keywords in Überschriften und im Text zu platzieren. Beende einen Artikel mit einem Call-to-Action – zum Beispiel „Reserviere gleich telefonisch einen Termin, Tel.: …“. Reichere deinen Artikel mit PDFs, Fotos und Videos an. Und vor allem: Schaffe Unique Content – also einziartige, neue Texte. Du musst nicht immer über deine Produkte schreiben, viel interessanter kann es für deine Leser sein, wenn du einen neutralen Text über ein Thema schreibst, in dem du Experte bist, zum Beispiel „Das sind die neuen Sommerfrisuren“ oder „So kann man ganz einfach eine Hochsteckfrisur machen“, wenn du Frisör bist. Wenn der Artikel gut und ausführlich ist, wirst du vielleicht sogar bei Suchanfragen zu dem Thema bei Google gefunden und gewinnst neue Kunden – das nennt man Content Marketing.

7. Local SEO

Lokales Suchmaschinenmarketing ist ein äußerst wirkungsvolles und kostenloses Mittel für Geschäfte, im näheren Umkreis Kunden zu finden. Melde dein Geschäft bei Googles Dienst „MyBusiness“ an, dann erscheint es bei Google Maps und erhält einen größeren Eintrag in den Suchergebnissen. Verifiziere dein Geschäft per Postkarte oder Anruf, um die volle Kontrolle zu haben. Wie man das alles macht, steht hier. Pflege dein Profil mit Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Bildern und Beschreibungen. Dann kannst du dich für weitere ortsbasierte Dienste/Bewertungsportale registrieren, etwa Facebook Places, Yelp, Qype, Foursquare etc. Achte auf eine einheitliche Schreibweise von Unternehmen und Kontaktdaten auf allen Profilen und reagiere auf Bewertungen freundlich – egal ob positiv oder negativ.

8. Newsletter

Das Wichtigste, was es zum E-Mail-Newsletter zu wissen gibt, ist, dass man nicht einfach wahllos Werbemails verschicken darf. Man sollte ein sogenanntes Double-Opt-In-Verfahren nutzen, d.h., der Abonnent bestellt den Newsletter zum Beispiel auf deiner Website und bekommt einen Bestätigungslink, den er anklicken muss. Außerdem muss jederzeit eine unkomplizierte Abmeldung möglich sein. Wer das nicht beachtet, kann schnell juristischen Ärger bekommen. Am besten nutzt man eine professionelle Newsletter-Software wie Mailchimp – das ist für bis zu 2000 Adressaten sogar kostenlos. Der Inhalt sollte kurz und knackig sein und dem Leser einen Mehrwert bringen, zum Beispiel Rabatte oder Expertentipps.

9. Rechtliches zum Onlinemarketing

So gut wie jede Website, und sei sie noch so klein, braucht ein Impressum. Es muss leicht erkennbar (also „Impressum“ genannt), unmittelbar erreichbar (mit max. 2 Klicks von jeder Seite) und ständig verfügbar sein. Sehr hilfreich ist die Seite E-Recht 24. Auf meinem Blog gibt es auch schon einen Artikel zur Impressumspflicht. Vorsicht bei der Verwendung von Bildern: Frage Personen, deren Foto du veröffentlichen möchtest, denn jeder hat mit nur ganz wenigen Ausnahmen ein Recht am eigenen Bild. Nutze Bilder von anderen immer nur nach Rücksprache und mit Nennung des Urhebers. Teilen auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken ist meist in Ordnung, kopieren und dann selber posten nicht.

10. Social Media für kleine Unternehmen

Social Media steht für persönliche und authentische Kommunikation und kann für kleine Firmen sehr wirkungsvoll sein. Notwendig dafür ist eine gewisse Offenheit und Spaß an dieser Art der Kommunikation. Begebt euch in einen Dialog mit den Nutzern und habt keine Angst vor Kritik. Schreibt Texte von unter 4 Zeilen, die einfach, konkret, emotional und praktisch formuliert sind. Postet, wenn eure Fans online sind, also zum Beispiel am Wochenende (Sonntag) und nach den Bürozeiten (19/20 Uhr). Besonders erfolgreich sind originelle Bilder, Fotogalerien und Videos. Vernetzt euch mit anderen Seiten, indem ihr deren Beiträge liked und kommentiert. Social Media Marketing ist ein breites Feld, in dem vor allem der Spaß an der Sache und das Gespür für Medium und Zielgruppe wichtig sind. Am besten lest ihr euch ein bisschen in das Thema ein, es gibt viele gute Bücher, Podcasts, Videos und Websites dazu.

11. Vernetzen und Fortbilden

Zum Schluss möchte ich euch noch ans Herz legen, euch mit Gleichgesinnten zu vernetzen (Stammtisch, Facebook, Xing…) und ab und an eine Schulung zu besuchen oder im Internet Tutorials anzuschauen oder durchzulesen. IHK, VHS und andere Verbände und private Anbieter bieten Schulungen an. Berichtet über eure neuen Erkenntnisse auf sozialen Netzwerken und eurer Homepage. Geht auf Tagungen und Messen. Und folgt Social Media Kanälen, die gutes Online Marketing in eurer Branche machen, davon kann man viel lernen.

Download der Unterlagen

Hier gibt’s die Unterlagen zum Kurs als Download:

Online-Marketing-Eva-Gaudlitz-VHS-PAF-2.12.17

 

3 Kommentare zu “Marketing für Existenzgründer und kleine Unternehmen

  1. Zum Thema Suchmaschinen / Content: Wir haben auf http://www.w-fragen-tool.com ein kostenloses W-Fragen Tool gelauncht, mit welchem man die häufigsten Suchanfragen der User bei Google zu einem bestimmten Thema findet. So kann man einfach und effektiv seinen Content für die User ausrichten, was nicht nur die Besucher, sondern eben auch Google gut findet und dementsprechend bewertet.

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