Der touristische Imagefilm – zwischen Kunst und Werbung

Gerade komme ich von meinem zweiten Tourismuscamp in Eichstätt (17.-19.1.2014) zurück. Das Tourismuscamp ist eines von mehreren Barcamps im touristischen Bereich. DMOs, Berater, Hoteliers, Journalisten/Blogger, Agenturen, Wissenschaftler und Plattformbetreiber diskutieren in der Uni Eichstätt verschiedene Themen, die von den Teilnehmern selbst vorgeschlagen und präsentiert werden. Dabei trinken sie sehr viel Kaffee, twittern was das Zeug hält und haben jede Menge Spaß.

Imagefilm: Alle gleich, wenige gut

„Ich mag keine Imagefilme“ oder „die sind alle gleich und nur sehr wenige sind gut“, „das ist doch nur Werbung“ – diese Reaktionen gleich zu Beginn der Session zeigten, dass der Imagefilm ein Image-Problem hat. Ob das am anwesenden Fachpublikum lag oder ob es der Urlauber, der Inspiration für seine nächste Reise sucht, genauso sieht?

Was macht das Medium Imagefilm aus?

Zu meinem Thema gab es scheinbar sehr viel Redebedarf und die Meinungen und Ideen kamen trotz der späten Stunde Schlag auf Schlag. Am Anfang stand die Frage: was macht das Medium Imagefilm aus?

• Audiovisuelles Medium – besserer Transport von Botschaften als in Texten/Fotos – „Live-Aspekt“
• Emotionale Bilder, wecken Sehnsucht und machen Lust auf Urlaubsziel
• Weiterempfehlung an Freunde möglich (im besten Fall weil der Film so gut ankommt und nicht weil er so schlecht-lustig ist)
• Vertrieb auf verschiedenen Kanälen (in der TI, im Bus, auf Messe, im TV, Internet)

 

Aktuelle Trends

Als aktuelle Trends in diesem Bereich konnte ich identifizieren:
• Luftaufnehmen/Oktokopter (Vorsicht! Rechtliche Problematik und möglicher Imageschaden durch das Gefühl des Überwachtwerdens bei den zufällig Gefilmten. Ob eine Genehmigung eingeholt werden muss, hängt von der Flughöhe ab.)
• Verbreitung über das Internet (evtl. sogar viral)
• Storytelling (die Werbebotschaft wird in eine Geschichte verpackt und so der Zuschauer emotional angesprochen)
• Höhere Frequenz neuer Filme (zu best. Anlässen, verschiedenen Jahreszeiten, untersch. Zielgruppen, versch. Längen – Auskopplungen aus dem Hauptfilm…). Den einen allumfassenden Film, der über mehrere Jahre die ganze Destination repräsentiert, will keiner mehr.
• Technische Rafinessen in der (Post)produktion (Zeitraffer, Splitscreen, Schnitt, Tiefenschärfe, digitale Effekte…)

 

Die Zielgruppe

Mehrmals kam die Frage auf, an wen sich ein Imagefilm richtet. Da Imagefilme teuer sind und Destinationen immer verschiedene Zielgruppen haben, wird oft versucht, alles zu zeigen und alle anzusprechen. Dadurch verliert der Film an Schärfe und Wirkung bei einzelnen Zielgruppen. Jedoch kann versucht werden, einzelne Gruppen auszuschließen, deren Bedürfnisse zu weit von den anderen abweichen, zum Beispiel Tagungsgäste. Idealerweise produziert man aus dem vorhandenen Material mehrere Filme. Tine ‏ @bruckbacher berichtete, dass sie für ihre Destination mit einer GoPro und der dazu erhältlichen kostenlosen Schnitt-Software selbst kleine Filme erstellt. Eine tolle Idee, die kostengünstig ist und authentisches, hochauflösendes Material liefert. Deine Destination ist auf Wandern spezialisiert, hat aber auch eine Strecke für Mountainbiker? Lass einen Local darüber berichten und filme die Abfahrt mit der Helmkamera. Hier passt auch das Beispiel von Achim Meurer ‏ @HDRmeurer, der in einer anderen Session von einem kurzen Video erzählte, das zeigte, wie eine Hotelbesitzerin selbst Butter herstellte. Das Video wurde u.a. auf chefkoch.de verlinkt und von Lehrern im Unterricht verwendet.

 

Die Beispiele (Vorschläge teilweise aus dem Publikum und via twitter)


 

 

 
 



Das Ergebnis

Von Imagefilmen wurde in unserer Runde Folgendes erwartet:
– Kürze (unter 2:00 Minuten)
– ein roter Faden und eine Geschichte
– Dramaturgie, ein Grund zum Dranbleiben, Überraschendes
– Authentizität (Vorsicht bei Models und zu perfekten Laiendarstellern)
– Alleinstellungsmerkmale, der USP der Destination muss erkennbar sein
– Originalität (auf keinen Fall austauschbar, muss sich vom typischen Imagefilm abheben)
– wenn Sprecher, dann Profi (außer, wenn ein „Original“ auftritt)
– Musik darf gern aus der Region kommen
– schöne Bilder, aber auch Information (evtl. durch Texteinblendungen)
– Testimonials müssen sympathisch und authentisch sein
– Reduktion auf das Wesentliche (bei zu schnellen Schnitten und Splitscreen droht Überforderung

 

Zum Schluss bleibt mir noch ein herzliches Dankeschön an die Teilnehmer meiner Session, ihr wart Barcamp-Musterschüler! 1000 Dank auch an das Team der Uni Eichstätt und von Tourismuszukunft, die diese wunderbare Veranstaltung ermöglichen.

 
Eine Frage zur Diskussion: Sollten Marketer ihren Film auch „Imagefilm“ nennen?

5 Kommentare zu “Der touristische Imagefilm – zwischen Kunst und Werbung

  1. Pingback: Was ich von der Tourismusbranche und ihrem BarCamp #tce14 mitnehme: | gophis mobile Rund-Reise

  2. Liebe Eva,

    ganz herzlichen Dank für deine Zusammenfassung. Es gibt ja immer wieder Sessions, zu denen man nicht kommt, obwohl sie einen eigentlich auch total interessieren. Dann kommt so ein Beitrag gerade recht. Super aufbereitet und danke für die Integration der vielen Beispiele!

    Liebe Grüße, Kristine

  3. Pingback: Was ich von der Tourismusbranche und ihrem BarCamp #tce14 mitnehme: | für mehr Einblick: unser Blog

  4. Pingback: Der neue Imagefilm von Bad Gögging – Beispiel für Storytelling im touristischen Imagefilm | Kultur-Technik

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: