Bedürfnisse von Senioren im Internet // Session zum Tourismuscamp Eichstätt

Sessionplanung beim Tourismuscamp Eichstätt 2013

Sessionplanung beim Tourismuscamp Eichstätt 2013

Am Wochenende war ich auf einem Barcamp. Nein, das hat nichts mit… doch, ehrlich gesagt hat es recht viel mit einer Bar zu tun. Mehr dazu am Ende des Textes. Es handelt sich beim Tourismuscamp Eichstätt um ein Familientreffen von ca. 120 Touristikern zum Thema E-Tourismus, also Online-Marketing für Destinationen, Hotels, Reiseblogger, Agenturen usw. Im Gegensatz zu einer Tagung oder einer Schulung kommen die Inhalte komplett von den Teilnehmern selbst. Manche halten Präsentationen, manche leiten eine Diskussion an. Eine dieser Sessions stammte auch von mir, es ging um die Bedürfnisse älterer Menschen im Internet.

Senioren sind eine zunehmend wichtige Zielgruppe im Internet

Kurorte haben trotz der veränderten Charakteristika eines solchen Urlaubs weiterhin eine relativ alte Zielgruppe. Ein Website-Relaunch in diesem Bereich stellt deshalb besondere Anforderungen an Usability und Gestaltung. Denn Senioren informieren sich heute ganz selbstverständlich im Internet:

Wie die Initiative D21 in ihrem aktuellen „(N)ONLINER Atlas 2012“ feststellt, nutzen in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen bereits mehr als 60 Prozent das Internet. Bei den über 70-Jährigen sind mittlerweile 28 Prozent regelmäßig online, wobei diese Altersgruppe den größten Zuwachs aufweist. Immer mehr ältere Verbraucher gehen mit Smartphones und Tablet-PCs ins Netz, außerdem erfreuen sich Soziale Netzwerke großer Beliebtheit auch bei Senioren – ein Trend, der sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Pressemitteilung des BMELV vom 2.8.2012

Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 konstatiert:
Die höchsten Zuwachsraten gehen weiterhin von den Über-50-Jährigen aus. 76,8 Prozent der 50- bis 59-Jährigen nutzen inzwischen das Internet (2011: 69,1%). Unter den über 60-Jährigen sind 39,2 Prozent  (2011: 34,5%) online.

Tipps für das „Seniorenmarketing“ im Internet

Unsere Diskussion (vielen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten) ergab:

1. Silversurfer sind:

  • reiseerfahren, kritisch, selbtbewusst
  • preisbewusst, qualitätsorientiert
  • kritisch gegenüber Werbung und E-Commerce
  • weniger bereit zur Interaktion in Sozialen Netzwerken
  • desto technikaffiner je höherpreisiger ihr Urlaub ist
  • oft technikskeptisch, aber durchaus neugierig
  • eine fragmentierte Zielgruppe mit spezifischen Wünschen und Fähigkeiten
  • mit 50 oder 60 nicht mehr alt
  • sensibel in Bezug auf Datenschutz
  • angewiesen auf Barrierefreiheit, Lesehilfen, gute Usability
  • sehr interessiert an Preisvergleichen und Vorabinformationen (Bilder!) über ihren Urlaub, weil sie viel Zeit zur Recherche haben

2. Webseitenberteiber sollten sich auf Senioren einstellen:

  • Usabilitytests mit mehreren Teilnehmern unterschiedlichen Alters decken radikal Mängel im Webdesign auf.
  • Technikskeptisches Publikum kann man höchstens innerhalb der Familie bekehren. Für die Non-Liner müssen offline-Alternativen gegeben sein.
  • Die Webseite ist wichtiger als Social Media Seiten.
  • Gerade ältere Männer haben oft eine Rot-Grün-Schwäche (vermeintlich auffällige rote Buttons werden dann z.B. kaum wahrgenommen)
  • Mit Google Analytics o.ä. kann man feststellen, an welcher Stelle der User von der Webseite abspringt.
  • Ältere Menschen wollen keine Teenager-Models sehen, sondern Menschen, die ca. zehn Jahre jünger sind als sie selbst.
  • Senioren trauen dem rein Virtuellen oft nicht. Den Abschluss der Buchung nehmen sie lieber telefonisch/perMail/Brief vor. Eine Bestätigung, dass alles in Ordnung ist, kann helfen.
  • Online-Werbung kann auf Datingportalen/Social Networks für Ältere erfolgreich sein. Nicht hingegen auf Ärzte-/Gesundheitsportalen
  • Offline-Werbung sollte regional beschränkt und zielgruppenspezifisch sein. Gut eignen sich kontinuierliche Printprodukte, zu denen eine hohe Bindung besteht wie z.B. Theaterprogramme, die Apothekenzeitung, Vereinszeitungen oder Kirchenzeitungen.
  • Ältere Webseitennutzer drucken sich zur Vorbereitung eines Urlaubs gern Infomaterial aus.
  • Belohnungen wie Wanderstocknadeln sind offline sehr beliebt. Mit durchdachten Gamification-Elementen könnte der Effekt auf Apps o.ä. übertragen werden.

Barcamp: gerne wieder

Wie oben angedeutet, ist das Tourismuscamp Eichstätt eine sehr familiäre und gesellige Angelegenheit. Die Abende werden in Bars verbracht, es gibt ein Gebräu namens Hochmoorgeist und man ist mit allen per Du. Die Teilnehmer sind nicht internetaffin, sie sind absolute Süchtlinge. Ein funktionierendes WLAN kommt vor allen anderen Bedürfnissen.

Ich freu mich auf’s nächste Mal 🙂

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Wer hat bereits Erfahrungen mit älteren touristischen Zielgruppen gemacht? Könnt ihr unsere Thesen bestätigen?

Artikel zum Thema

Stefanie von Gipfelglück

Melanie von Socialarbeiter

Allgemeiner Rückblick von Tourismuszukunft

4 Kommentare zu “Bedürfnisse von Senioren im Internet // Session zum Tourismuscamp Eichstätt

  1. Pingback: Gipfelglück beim Tourismuscamp 2013

    • Hallo Stefanie, vielen Dank für die Verlinkung 🙂 Damit keine Missverständnisse aufkommen, die #tc13-Teilnehmer sind natürlich höchst internetaffin, die Auflösung gibts im 2. Satzteil.

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